Willkommen 2015!

2015The same procedure as every year: Kaum haben wir dem alten Jahr einen letzten Schubs mit der Champagner-Flasche gegeben, beladen wir auch schon das neue mit vielen guten Vorsätzen, Wünschen und Erwartungen. Was uns 2015 in der IT erwarten wird, haben uns in den vergangenen Wochen bereits jede Menge Experten verkündet. Zwischen all den „Buzzwords“ und Trends zeichnen sich ein paar Entwicklungen ab, an denen sich die meisten IT-Abteilungen im nächsten Jahr wohl kaum vorbeimogeln können.

Mehr Agilität

Agilität ist das neue Leitmotiv der IT, da sind sich die meisten Prognosen einig. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens hängt mehr denn je davon ab, wie schnell es auf Veränderungen im Markt reagieren und neue Möglichkeiten gewinnbringend nutzen kann. Die meisten dieser neuen Möglichkeiten sind IT-basiert, angefangen bei den Vertriebs- und Kommunikationswegen, über neue Geschäftsmodelle bis hin zur Optimierung der internen Prozesse. Damit wächst der Druck auf die IT-Abteilungen, Infrastrukturen und Applikationen zur Verfügung zu stellen, die flexibel skalierbar sind und schnell an neue Anforderungen angepasst werden können.

Hybride Infrastrukturen

Mehr Agilität ohne Cloud wird schwierig. Für die Mehrheit der Unternehmen sind Cloud-Dienste aber kein Ersatz für die eigene Infrastruktur, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Das Ergebnis sind hybride und dynamische IT-Landschaften aus eigenen Ressourcen sowie gemieteten Kapazitäten und Anwendungen aus der Cloud. Die eigentliche Herausforderung wird im Management und in der Absicherung der über mehrere Standorte verteilten Systeme liegen.

Neue Spielregeln im Netzwerk

Wie schnell Netzwerk-Virtualisierung und hier insbesondere die VXLAN-Technologie erwachsen geworden sind, hat uns letztes Jahr wirklich überrascht. Der größte Vorteil ist der enorme Zugewinn an Flexibilität. Wenn IP-Adressen nichts mehr mit dem Ort zu tun haben, an dem sich die Systeme befinden, lassen sich Dienste und Anwendungen viel schneller bereitstellen und migrieren, was nicht zuletzt auch das Management von hybriden Infrastrukturen deutlich erleichtert. Allerdings verändern sich dadurch auch die Spielregeln für die Netzwerk-Administration und das Trouble Shooting, was von den Administratoren einiges Umdenken abverlangen wird.

Unabhängig von der Netzwerk-Virtualisierung werden Unternehmen auch 2015 von dem ungebrochenen Trend zur Virtualisierung von Netzwerkfunktionen (NFV – Network Functions Virtualization) profitieren. Netzwerkdienste wie Firewalling, Lastverteilung, Switching etc. werden nicht mehr mit herstellerspezifischer Hardware, sondern als softwarebasierter Dienst auf virtuellen Maschinen bereitgestellt. Neben den finanziellen Vorteilen ist NFV auch ein wichtiger Baustein agiler IT-Infrastrukturen.

Adieu rotierende Festplatte

Solid State Drive (SSD) ist eine weitere Technik, die schnell an Reife gewinnt. SSDs sind robuster, energieeffizienter und deutlich schneller als die klassischen optischen bzw. magnetischen Laufwerke. Außerdem sind sie sehr leise, da sie keine beweglichen Bauteile enthalten. Noch haben die Magnetspeicherplatten einen klaren Preisvorteil. Wir gehen aber davon aus, dass dieser recht schnell dahinschmelzen wird, so dass bei wichtigen Neuanschaffungen rotierende Festplatten kaum noch eine Rolle spielen werden.

IPv6

Die Umstellung auf IPv6 ging die letzten Jahre schleppender voran als erwartet. Solange die vorhandenen IPv4-Adressen ausreichten und mit NAT und anderen Funktionen alle Probleme gelöst werden konnten, gab es auch keinen zwingenden Grund für eine Umstellung. Allerdings melden sowohl Google als auch Akamai schnell wachsende Zuwachsraten im IPv6-Traffic. Deutschland liegt mit einer Verbreitungsquote von über 6 Prozent im internationalen Vergleich ziemlich weit vorn. Die zunehmende Verbreitung von mobilen Endgeräten und die Vernetzung von Geräten und Dingen wird diese Entwicklung weiter vorantreiben. Somit macht es durchaus Sinn, im ersten Schritt die eigenen (Internet-)Systeme auch für IPv6 erreichbar zu machen.

Neue Sicherheitsstrategien

Die wachsende Mobilität der Unternehmens-IT, also das, was als „dritte Plattform“ bezeichnet wird (mobile Geräte und Applikationen, Cloud Services, mobile Breitbandnetzte, Big Data und soziale Netzwerktechniken) erfordert auch neue Sicherheitsstrategien. Die eigene „Burg“ zu schützen reicht nicht mehr, wenn wichtige Daten außerhalb gespeichert und verarbeitet werden und die halbe Mannschaft mobil darauf zugreift. Der Aufwand zum Schutz unternehmenskritischer Daten und Applikationen wird vermutlich nicht kleiner werden, da auch die Geheimdienste viel Aufwand betreiben, um Verschlüsselungstechniken zu knacken, UMTS-Verbindungen schon heute missbraucht und abgehört werden können und selbst biometrische Sicherheitsverfahren nicht fälschungssicher sind, wie Ende Dezember auf dem 31. Chaos Communication Congress in Hamburg demonstriert wurde.

Branchen mit „kritischen Infrastrukturen“ (Transport und Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen) müssen sich außerdem wegen des IT-Sicherheitsgesetzes der Bundesregierung auf neue Sicherheitsanforderungen einstellen.

Auch das Thema Datenschutz bleibt 2015 auf der Agenda. Allerdings geht es hier zunehmend um die Frage: Daten schützen oder kommerziell verwerten? EU Digital-Kommissar Oettinger und Bundesminister Dobrint haben dazu als Vertreter der Politik letztes Jahr bereits Stellung bezogen, als sie warnten, dass zu viel Datenschutz ein „Hemmschuh für neue Geschäftsmodelle“ sei, mit denen sich nach dem Vorbild US-amerikanischer Firmen viel Geld verdienen lässt.

Es bleibt also spannend, nicht nur in der IT. Auf jeden Fall wünschen wir Ihnen, dass das Jahr 2015 Ihren Erwartungen gerecht wird und viele Ihrer Wünsche erfüllt.