Was ist ein Software-Defined Data Center?

Das Software-Defined Data Center (SDDC) wurde 2012 von VMware CTO Steve Herrod als Vision formuliert, wie in nicht allzu ferner Zukunft  IT-Infrastrukturen für Unternehmensanwendungen bereitgestellt werden. Ein softwaredefiniertes Rechenzentrum ist vollständig virtualisiert, d.h. es sind nicht nur die Server, sondern auch Storage, Netzwerk und Sicherheitssysteme virtualisiert.  Während heute Infrastruktur und Security Services überwiegend durch hochspezialisierte Hardware realisiert werden, die individuell konfiguriert und administriert werden muss, übernimmt diese Aufgabe in einem SDDC hochspezialisierte Software.  Die Hardware Ressourcen werden abstrahiert, in einem Pool zusammengefasst und weitestgehend automatisch den Anwendungen zugeteilt. Das bedeutet, dass Unternehmen nicht nur die virtuellen Maschinen für ihre Anwendungen innerhalb weniger Minuten mit einigen Mausklicks bereitstellen können, sondern auch sämtliche Netzwerk-, Sicherheits- und Kontrollfunktionen. Die Hardware selbst und deren Standort spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen die Anwendungen und deren Service Level. Das Software-Defined Data Center ist somit eine logische Weiterentwicklung der Cloud und sorgt für noch mehr Agilität, einen sehr hohen Automatisierungsgrad und eine noch effizientere Nutzung der Ressourcen.

sddc

 

 

Rechen- und Speicherressourcen, Netzwerk- und Sicherheitsfunktionen werden durch Virtualisierung von der Hardware abstrahiert und mittels Software zu virtuellen Datacenter mit anwendungsspezifischen Service Level zusammengefasst.

 

 

Viele Unternehmen sind noch dabei, herauszufinden, wie sie die Cloud sinnvoll in ihre IT-Strategie integrieren können. Und jetzt sollen sie sich schon wieder auf einen neuen Trend einstellen? Was bedeutet das Software-Defined Data Center für Unternehmen und für Service Provider? Antworten auf diese Fragen gibt Axel Dunkel, Gründer und Geschäftsführer der Dunkel GmbH.

Wie viel Software-Defined Data Center (SDDC) steckt schon im Virtual Data Center Service der Dunkel GmbH?

A.D.: Wir sind schon sehr nah dran, was sich auch im Namen Virtual Data Center ausdrückt. Virtualisierung und klassisches Cloud Computing stellt abstrahierte Rechenleistung in Form von virtuellen Maschinen (VM) bereit. Ziel des Software-Defined Data Centers ist es aber, neben den Rechen- und Speicherressourcen auch Netzwerk-, Sicherheits- und Kontrollfunktionen in einem Container zusammenzufassen  – dem Virtual Data Center – und die Anwendungsebene vollständig von der darunterliegenden Hardware zu abstrahieren.  Was wir unseren Kunden zur Verfügung stellen, sind bereits virtuelle Datacenter (VDC) und nicht einfach nur virtuelle Maschinen. Server und Speicher sind vollständig virtualisiert, Netzwerk und Sicherheit in großen Teilen auch. Mit der vCloud Suite von VMware werden bereits viele Eigenschaften eines SDDC realisiert. So können beispielsweise VLAN, Zugriffskontrolle, Firewall und Lastverteilung und natürlich CPU, RAM und Storage allesamt vom Kunden selbst zentral und softwarebasiert für sein Virtual Data Center definiert werden. Diese Einstellungen bleiben erhalten, auch wenn die darunter liegende Hardware wechseln sollte.

Was noch nicht ganz dem Konzept eines Software-Defined Data Centers entspricht, ist die vollständige Integration und Automatisierung von spezialisierten Services wie Next Generation Firewall, IPS, Traffic Management, Web Application Firewall oder Monitoring. Diese werden von uns zwar bereits softwarebasiert, zum Beispiel als virtuelle Appliance, in das VDC integriert, müssen aber noch über separate Management Interfaces konfiguriert werden.  Sowohl VMware als auch andere Hersteller arbeiten bereits an der Weiterentwicklung ihrer Lösungen (Stichwort Software-Defined Network (SDN) und Software-Defined Security (SDS)), so dass wir dem Ideal eines Software-Defined Data Center auch mit unserem Service schon recht bald sehr nahe kommen werden.

Was hat es mit den Serviceklassen auf sich?

A.D.: Unternehmensanwendungen benötigen unterschiedliche Service Level in Bezug auf Performance, Verfügbarkeit, Datensicherheit usw.  Jeder Anwendung eine Infrastruktur mit höchstem Service Level zu geben, widerspricht dem Effizienzcharakter der Cloud, da wieder Ressourcen reserviert und bezahlt werden müssen, die gar nicht benötigt werden. Deshalb haben wir unser Virtual Data Center von Anfang an mit mehreren Serviceklassen angeboten und die Bereitstellung ist auch weitestgehend softwarebasiert.  Für Testsysteme oder Anwendungen,  die nicht die maximale Geschwindigkeit und Verfügbarkeit benötigen, nimmt der Kunde zum Beispiel ein VDC in der Serviceklasse „Bronze“ und zahlt auch weniger für die Ressourcen im Vergleich zu einem VDC mit der Serviceklasse „Gold“ für seine geschäftskritischen Anwendungen. Das ist auch der Anspruch des Software-Defined Data Centers: für jede Anwendung softwaregesteuert die Infrastruktur bereitzustellen, die dem benötigten Service Level entspricht, anstatt für jeden Service Level dedizierte Infrastrukturen mit spezieller Hardware zu konfigurieren.

Ist das Software-Defined Data Center wirklich die „Revolution“, für die es manche Experten halten, und was haben letztendlich die Unternehmen davon?

A.D.: Während es beim Cloud Computing oft um Software bzw. Anwendungen geht, die man flexibel und nach Bedarf aus dem Internet mietet, geht es beim SDDC vor allem um die IT-Infrastruktur, mit der die Anwendungen betrieben und kontrolliert werden. Und hier haben wir es in der Tat mit einem Paradigmenwechsel zu tun. Als ich in den 1980er Jahren die Firma gründete, wurden die meisten Netzwerk- und Sicherheitsfunktionen wie Switching, Lastverteilung oder Firewall als Programme auf Standard-Hardware installiert. Nach und nach gab es für jede Funktion spezialisierte Hardware und je mehr sich die EDV und das Internet in den Unternehmen durchsetzten, desto mehr Hersteller mit noch speziellere und meist auch teurere Hardware kamen auf den Markt. Das Ergebnis waren komplexe Rechenzentren mit einem stattlichen Hardware Zoo und einem enormen Wartungs- und Administrationsaufwand. Mit dem Software-Defined Data Center gehen wir quasi wieder dahin zurück, wo wir angefangen haben, wenn auch auf viel höherem Niveau.  Standard x86 Hardware ist heute so leistungsstark, dass sie – intelligent gepoolt und gesteuert – für die meisten Anforderungen ausreicht. Die Steuerung und der Schutz der Anwendungen erfolgt wieder durch spezielle Software. Neu ist, dass auch die Bereitstellung der jeweiligen Infrastruktur weitestgehend automatisiert und softwaregesteuert erfolgt und alle Funktionen zentral überwacht und administriert werden können.

Der größte Vorteil eines SDDC ist sicher der enorme Effizienzgewinn. Hardware Hersteller können sich auf eine nachhaltigere Produktion von energieeffizienten Servern konzentrieren, während die gesamte „Intelligenz“ des Datacenters in spezieller Software steckt.

Für Unternehmen und auch uns als Service Provider wird es einfacher, jeder Anwendung in kürzester Zeit genau die Infrastruktur zu geben, die sie benötigt. Da die Komplexität der zu verwaltenden Hardware ab- und die Redundanz durch das Pooling zunehmen wird, verspreche ich mir vom SDDC auch einen Zugewinn in Sachen Ausfallsicherheit. Auf der anderen Seite nimmt aber auch die Komplexität der Einzelkomponenten zu (z.B. können Sicherheitssysteme wesentlich mehr überprüfen als bisher) sowie die Komplexität des Zusammenspiels sämtlicher Komponenten.

Ein wichtiger Vorteil für Unternehmen ist noch, dass sich die Hybrid-Fähigkeit der Infrastrukturen verbessern wird. Heute ist es zum Beispiel im VMware-Umfeld bereits möglich, diverse virtuelle Maschinen mit spezifischer Software (z.B. Datenbanken, Webserver etc.) zu einer vApp mit einheitlichem Service Level zusammenzufassen. Diese Einstellungen bleiben erhalten, auch wenn die vApp auf andere Hardware verschoben wird. Firmen können ihre eigene VMware-Infrastruktur mit einem Virtual Data Center z.B. in der Dunkel Cloud verbinden und virtuelle Maschinen oder vApps zwischen den Standorten verschieben. Mit einem Software-Defined Data Center wird es möglich sein, Virtual Data Center auf einer Infrastruktur bereitzustellen, die über mehrere Rechenzentren verteilt ist. Weiterhin können dann nicht nur einzelne Maschinen oder vApps, sondern ganze VDC samt Netzwerk- und Sicherheitskonfiguration verschoben werden.

Und schließlich wird das softwaredefinierte Rechenzentrum auch das Disaster Recovery einfacher und preiswerter machen: Während heute der Fokus auf der Wiederherstellung  virtueller Maschinen liegt, wird das in Zukunft das komplette Virtual Data Center sein, einschließlich aller Sicherheitskomponenten.

 

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