Teilen macht glücklich

Drei, zwei, eins – meins. Nur was ich besitze, macht mich glücklich. Das ist der Dampf, der bislang unsere Wirtschaft antrieb: Verkaufen. Alles an möglichst viele. Jedem sein eigenes Auto, jedem seine Bohrmaschine oder am besten gleich zwei und auf jeden Balkon einen Grill. Selbst wenn die Bohrmaschine nur einmal im Jahr gebraucht wird und der Grill die guten Beziehungen zur Nachbarschaft im Rauch erstickt – egal. Ich besitze, also bin ich. Homo oeconomicus ist nun mal egoistisch. Ist er das? Oder wurde uns das nur lange genug eingeredet?

Nutzen statt Besitzen

Schon vor zehn Jahren prophezeite Jeremy Rifkin in seinem Buch „The Age of Access“, dass aus dem Streben nach Eigentum, ein Streben nach Zugang werden wird. Verkäufer und Käufer werden zu Anbieter und Nutzer. Und tatsächlich sprießen seit Jahren Netzwerke wie Pilze aus dem Boden, in denen Menschen tauschen und teilen: ihr Auto, ihre Wohnung, die Couch als Schlafplatz, die Bohrmaschine und selbst die Oma zum Babysitten. Wissenschaftler meinen einen regelrechten Kulturwandel zu erkennen. Der Trend geht zum Nutzen statt Besitzen.

Sind Cloud Services Teil dieses Trends in der IT-Wirtschaft? Quasi IT 3.0?

Jedem Applikatiönchen sein eigenes Serverchen ist out. Langsam aber sicher verwelkt auch die Vorstellung, sämtliche Hard- und Software selbst besitzen zu müssen; und sei es auch nur aus wirtschaftlichen Gründen, weil der entsprechende Investitionstopf mit hundert anderen Töpfen im Unternehmen konkurriert. Die Alternative dazu ist, Hard- und Software mit anderen zu teilen. Was zählt, ist der Nutzen. Nutzen statt Besitzen. Im gefühlten Wochenrhythmus erscheinen neue Umfragen zum Thema: „Wie halten Sie es mit der Cloud?“ Die Ergebnisse sind alle sehr ähnlich, nur die Prozentzahlen variieren etwas: „Praktischer wäre es schon mit der Cloud, ABER: die Sicherheit! Das Risiko! Unsere Daten! Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass die Antworten von den Umfragen selbst reproduziert werden? Vielleicht sind die Befragten noch gar nicht dazu gekommen, sich ihre eigene Meinung zu bilden und geben stattdessen die Meinung wieder, die sie in der letzten Umfrage gelesen haben? Im Ernst, man könnte schon den Eindruck gewinnen, dass die Sicherheitsmaßnahmen in den Serverräumen deutscher Unternehmen Fort Knox aus Neid gelb anlaufen lassen. Ist das eine gefühlte Sicherheit, weil man sieht was man hat und der eigene Firmenname an der Tür steht? Aus einem Server kann man die Festplatte samt aller Daten einfach ausbauen und mitnehmen. Versuchen Sie das mal im gespiegelten SAN.

Jeder IT-Verantwortliche mit Sinn für Sicherheit wird auch ohne Cloud mit sensiblen Daten machen, was man mit Daten, die andere nichts angehen nun mal macht: er wird sie verschlüsseln, den Zugriff einschränken und mit starker Authentifizierung absichern. Mit Daten in der Cloud kann er ganz genauso verfahren. Jede professionelle Cloud Infrastruktur ist per definitionem hochverfügbar und damit in der Regel besser ausgestattet als die meisten traditionellen Server. Doch wie wir alle wissen, gibt es keine hundertprozentige Unfehlbarkeit, auch nicht in der Cloud. Auch Cloud Computing wird von Menschen gemacht. Für solche Fälle gibt es für wichtige Anwendungen und Daten Desaster Recovery Pläne. Die kann und sollte man auch in der Cloud haben.

Besitz macht unfrei, vor allem wenn er wichtiges Kapital und zusätzliche Ressourcen für seinen Unterhalt bindet. Und er wird zum Klotz am Bein, wenn sich die Bedingungen ändern oder schnelles und flexibles Reagieren gefragt ist. Wenn Nutzen statt Besitzen den größeren Nutzen fürs Business hat, wird sich auch in der IT dieser Trend kaum aufhalten lassen. Es gibt aber etwas, dass Cloud Anbieter von den Consumer Collaboration Netzwerken lernen können: bevor man bei wildfremden Menschen auf der Couch schlafen darf, muss man online einen langen Fragebogen ausfüllen, damit sich der andere ein Bild machen kann. Wenn Käufer zu Nutzern werden, spielt eine neue Währung die wichtigste Rolle und die heißt Vertrauen.