So verhindern Sie, dass Ihr Online-Shop im Weihnachtsgeschäft schlapp macht

Weihnachtsmann auf Geschenken liegend

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Sie haben sich perfekt auf das Weihnachtsgeschäft vorbereitet: die Lager sind gefüllt, der Online-Shop strahlt im neuen Glanz, die Werbekampagnen laufen gut und der Versand sitzt in den Startlöchern. Die Chancen, dass dieses Jahr auch viele Käufer kommen, stehen gut.  Laut einer Studie im Auftrag von RetailMeNot wird im deutschen Weihnachtsgeschäft bereits jeder fünfte Euro online ausgegeben. Das entspricht einem Umsatz von fast 16 Milliarden Euro. Allerdings erwarten die Besucher auch schnelle Ladezeiten und eine zügige Kaufabwicklung, sonst geben sie ihr Geld bei der Konkurrenz aus. Deutsche Online-Shops laden im Durchschnitt innerhalb 2,9 Sekunden, hat eine Analyse von konversionsKraft ergeben. Seiten, die deutlich länger brauchen, bleiben hinter den Erwartungen der Benutzer zurück und verlieren Käufer.

Die Herausforderung besteht nun darin, die schnellen Ladezeiten nicht nur im Alltagsgeschäft, sondern auch zu Peak-Zeiten beizubehalten, unabhängig davon, wie viele zusätzliche Käufer auf den Seiten unterwegs sind. Dass an dieser Herausforderung selbst große Anbieter scheitern können, zeigte dieses Jahr das Beispiel von Macy’s. Der größte Warenhausbetreiber in den USA schickte am Black Friday seine Onlineshop- Benutzer mit den Worten „Sorry, shoppers! We’re currently experiencing heavier traffic than normal.“ in die Warteschleife.

Wenn Sie besser vorbereitet sein wollen als Macy’s, helfen Ihnen nachfolgende Tipps, böse Überraschungen zu vermeiden.

1. Die Rechenleistung an die Last anpassen

Wenn die Last auf den Server steigt und die Leistung nicht mehr ausreicht, heißt das Zauberwort Skalieren. Hier ist ein Cloud Hosting Service eindeutig im Vorteil. Zum einen muss man nicht permanent für überdimensionierte Server-Hardware zahlen, obwohl die volle Leistung nur wenige Wochen im Jahr benötigt wird. Zum anderen stehen zusätzliche Ressourcen bei Bedarf sofort zur Verfügung, sodass man auf einen plötzlichen Besucher-Ansturm wesentlich schneller reagieren kann.

Vertikales Skalieren

Bei kleineren Shop-Systemen reicht im ersten Schritt meist schon ein vertikales Skalieren. Dabei wird der virtuellen Maschine mehr Arbeitsspeicher zugewiesen bzw. die Anzahl der vCPU-Kerne erhöht. Sofern das verwendete Betriebssystem ein „Hot-Add“ unterstützt, funktioniert dieses „Upscaling“  auch bei laufendem Betrieb ohne Neustart. Wenn der Cloud-Provider eine geeignete API zur Verfügung stellt, kann das Skalieren auch mit einem Script automatisiert werden, sobald ein definierter Schwellenwert bei der Auslastung überschritten wird.

Horizontales Skalieren

Wenn der Online-Shop bereits auf einem Server-Cluster läuft bzw. die Software einen Cluster-Betrieb unterstützt, kann auch horizontal skaliert werden. Beim „Scale-out“ werden zusätzliche Maschinen im Cluster aktiviert und die Last auf alle verfügbaren Ressourcen verteilt. Darüber hinaus hat ein Cluster-Betrieb den Vorteil, dass Server-Ressourcen bei laufendem Betrieb hinzugefügt und auch wieder entfernt werden können. Gleichzeitig verbessert die Lastverteilung die Ausfallsicherheit des Shops. Was uns zum nächsten Punkt führt.

2. Ausfallzeiten minimieren

Hochverfügbare Hosting-Plattform

Läuft der Webshop in der Cloud, sollte die Hosting-Plattform hochverfügbar sein, damit Hardware-Ausfälle oder Wartungsarbeiten keine Service-Ausfälle verursachen.

Cluster-Betrieb

Unabhängig davon kann der eigene Webshop aber immer noch wegen Überlastung oder einem anderen Problem ausfallen. Mit einem Multi-Server-System (Cluster) mit Lastverteilung kann das Ausfallrisiko reduziert und gleichzeitig die Performance des Webshops insgesamt verbessert werden.

Wenn der Cluster auf zwei Rechenzentren verteilt wird, bezieht das Load Balancing auch die Verfügbarkeit der Standorte mit ein. Fällt ein Rechenzentrum aus oder auch nur dessen Internetanbindung, übernimmt der zweite Standort komplett den Betrieb und der Webshop bleibt verfügbar. Im Vergleich zum Cluster-Betrieb an nur einem Standort kann man mit dem gleichzeitigen Hosting in zwei Rechenzentren das Ausfallrisiko für seinen Online-Shop nochmals deutlich minimieren, ohne dass sich gleich die Kosten verdoppeln müssen.

Disaster-Recovery-Tests

Worauf Shop-Betreiber auf keinen Fall verzichten sollten, sind zuverlässige Backups und Disaster-Recovery-Maßnahmen sowie regelmäßige Tests, wie gut und wie schnell die E-Commerce-Systeme und Daten im Notfall wiederhergestellt werden können.

3. Die Web Performance verbessern und Ladezeiten minimieren

Beschleunigter Storage

Zusätzliche Rechenleistung löst nicht alle Performance-Probleme. Gerade bei Datenbank-Anwendungen mit vielen Lese- und Schreibzugriffen ist manchmal der Storage selbst und die maximale Anzahl gleichzeitiger IOPS der Flaschenhals. Der Einsatz eines beschleunigten Storage schafft hier Abhilfe. Allerdings sollte der Performance-Gewinn nicht zu Lasten der Datenverfügbarkeit gehen.

Web Application Beschleunigung

Moderne Application Delivery Controller (ADC) können nicht nur die Last verteilen, sondern auch die Web Performance verbessern. Sie entlasten die Webserver (TCP-Offloading, SSL-Offloading) und beschleunigen mittels Caching und Datenkomprimierung das Ausliefern der Inhalte. Inzwischen gibt es gute softwarebasierte Produkte, die als virtuelle Appliance auch in der Cloud genutzt werden können – eine Investition, die sich zu Peak-Zeiten durchaus auszahlen kann, wenn sehr viele Transaktionen gleichzeitig bewältigt werden müssen.

Content Delivery Networks (CDN)

Content Delivery Networks sind für die meisten großen E-Commerce-Anbieter inzwischen Standard. Mit einem CDN-Service werden bestimmte Webinhalte von den CDN-Servern ausgeliefert und dadurch die eigenen Webserver entlastet. Da die CDN-Server in der Regel global verteilt sind, bekommen internationale Shop-Besucher die Inhalte vom nächstgelegenen Server, was die Reaktionszeit und damit auch die Ladezeit verkürzt.

Weniger ist schneller

Shop-Betreiber können auch selbst für kürzere Ladezeiten sorgen, indem sie die Datenmenge ihrer Website reduzieren und die Anzahl der für den Seitenaufbau benötigten HTML-Requests minimieren. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, möchte man doch gerade zu Weihnachten den eigenen Shop auch optisch ansprechend gestalten. Allerdings nützt die schönste Online-Weihnachstdeko nichts, wenn potenzielle Käufer schon wieder weg sind, bevor die Seite fertig geladen werden konnte.  Deshalb gilt gerade zu Peak-Zeiten: Weniger ist mehr und schneller, nicht zuletzt auch auf mobilen Endgeräten. Meist helfen schon die gängigen Tricks und Tools zur Minimierung des Programm-Codes und zur Reduktion der Anzahl Grafiken, die einzeln geladen werden müssen.

Besser gleich auf HTTP/2 umstellen

Viele Techniken, mit denen Entwickler die Webinhalte so verpacken, dass sie möglichst schnell geladen werden können, haben vor allem etwas mit den Einschränkungen des bisherigen HTTP-Protokolls zu tun. Das stammt noch aus einer Zeit, als Webseiten klein und überschaubar waren.  Viele dieser Einschränkungen wurden in der neuen Version (HTTP/2) beseitigt, was zu spürbar schnelleren Ladezeiten führt und zwar via HTTPS, wie wir mit unseren eigenen Messungen zeigen konnten.

Neue Funktionen wie Header-Komprimierung, Server-Push und Multiplexing, also die gleichzeitige Übertragung unterschiedlicher Inhalte, reduzieren unter anderem die Zahl der „Round-Trips“, also die  Frage-Antwort-Runden zwischen Client und Server, die für die Übertragung der Inhalte benötigt werden. Der Geschwindigkeitsgewinn macht sich vor allem auf mobilen Clients bemerkbar, die immer häufiger auch für das Online-Shopping genutzt werden.

4. Sich nicht von Dritt-Anbieter-Inhalten ausbremsen lassen

Alle Optimierungs- und Beschleunigungsarbeiten nützen nicht viel, wenn Inhalte von Dritt-Anbietern mit der eigenen Performance nicht mithalten können. Wenn es darum geht, seinen Shop-Besuchern auch zu Peak-Zeiten schnelle Ladezeiten zu bieten, sollte man immer auch das Verhalten der eingebundenen externen Services wie Marketing-Tools, Streaming-Dienste, Analysewerkzeuge oder Social Media Plug-Ins im Auge behalten.

5. Ungewollten Datenverkehr aussperren

Nicht jeder Besucher kommt mit guten Absichten. Ein nicht unerheblicher Anteil des Web-Traffics wird heutzutage von Bots verursacht. Während einige davon harmlos und gewollt sind, gibt es auch schädliche Bots und Content-Scraper, die auf Ihren Webseiten nichts zu suchen haben. Ebenso wenig willkommen sind webbasierte Angriffe, die es auf Ihre Kundendaten abgesehen haben oder versuchen, Inhalte zu manipulieren und Distributed Denial of Service (DDoS) Angriffe, die Ihren E-Commerce-Service komplett zum Erliegen bringen können. Deshalb gehört das Thema Sicherheit immer mit auf die Agenda, wenn man seinen Online-Shop gut durch das Weihnachtsgeschäft bringen will.

Eine Netzwerk-Firewall in Verbindung mit einem Intrusion Protection System schützt vor Angriffen auf Netzwerkebene, einschließlich vielen (aber nicht allen) DDoS-Attacken. E-Commerce Systeme sind aber auch ein beliebtes Ziel für webbasierte Angriffe wie Cross-Site-Scripting oder SQL-Injection. Angreifer nutzen dafür Sicherheitslücken im Webserver oder in den Anwendungen aus, die oft dem Betreiber selbst gar nicht bekannt sind bzw. auch nicht so schnell geschlossen werden können. Deshalb sollten Online-Shops zusätzlich noch von einer Web Application Firewall geschützt werden.

Einem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft sollte nun nichts mehr im Wege stehen. Und falls der große Ansturm auf den Online-Shop in diesem Jahr noch ausbleibt – die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.