Multi Cloud: schon Trend oder noch Vision?

Multi-Cloud

Gleich zwei aktuelle Studien rufen die Ära der Multi-Cloud aus. Da fiel mir ein Beitrag ein, den wir im August 2013 hier im Blog veröffentlicht haben. Der Titel: Der nächste Trend: Multi-Cloud

Da waren wir der Zeit wohl ein wenig voraus, wie auch mit unserem Hybrid-Cloud Angebot nur wenige Monate später. Damals haben viele Entscheider beim Thema Cloud noch müde abgewunken. Seitdem ist viel passiert. Die Angaben darüber, wie viele Unternehmen inzwischen Cloud Services nutzen, schwanken je nach Umfrage zwischen 22,3 % (IDG) und 65 % (Bitkom). Die Hybrid Cloud – vor vier Jahren noch ein exotisches Pflänzchen – scheint sich gerade zum bevorzugten Gewächs in deutschen IT-Landschaften zu entwickeln. Laut einer IDC-Studie im Auftrag von Interxion „macht die Hybrid Cloud den Unterschied“ und ist bereits bei 16 % der befragten Unternehmen im Einsatz und bei weiteren 46 % in Planung. In den Unternehmen, die Crisp Research befragt hat, ist für knapp 44 % die Hybrid Cloud schon heute das bevorzugte Model und in einer Umfrage von NetApp gaben sogar 69 % der IT-Leiter der Kombination aus einer privaten und einer Public Cloud den Vorzug.

Auch wenn sich die Umfrage-Ergebnisse im Detail unterscheiden, Cloud-Services sind dabei, einen festen Platz in der IT-Landschaft der Unternehmen zu finden. Dabei reicht eine Cloud allein oft schon nicht mehr aus. Für Crisp Research steht deshalb auch in Deutschland die Multi-Cloud unmittelbar vor ihrem Durchbruch.

Was ist eine Multi-Cloud?

Noch ist nicht ganz eindeutig definiert, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit man von einer Multi-Cloud sprechen kann. Für die einen ist eine Multi-Cloud schon dann gegeben, wenn unterschiedliche Dienste (Infrastruktur-, Plattform- und Software-Services) von mehreren Cloud-Anbietern parallel genutzt werden. Die verschiedenen Cloud-Umgebungen müssen dafür nicht miteinander vernetzt sein.

Andere sehen in der Multi-Cloud eine Weiterentwicklung der Hybrid-Cloud. Letztere verbindet die private (Cloud-)Infrastruktur mit flexibel skalierbaren Ressourcen aus einer Public Cloud. In der Regel können beide Cloud-Umgebungen über eine gemeinsame Management Konsole verwaltet werden.

In einer Multi-Cloud werden die Dienste und Ressourcen von mehreren Cloud-Anbietern integriert (Multi-Vendor-Cloud). Im Idealfall sollen sie aus Anwendersicht zu einer einzigen großen Cloud verschmelzen. Wie bei der Hybrid-Cloud liegt auch bei der Multi-Cloud der Fokus auf Infrastrukturleistungen (IaaS, teilweise auch PaaS). Während bei der Hybrid-Cloud aus Gründen der Kompatibilität und besseren Administrierbarkeit  bevorzugt identische Cloud-Plattformen kombiniert werden – d.h. die eigene VMware-Infrastruktur wird mit einer ebenfalls auf VMware basierten Public Cloud verbunden – kombiniert die Multi-Cloud unterschiedliche Cloud-Plattformen, neben VMware zum Beispiel auch OpenStack, Microsoft Azure, Amazon Web Services etc.

Wenn eine Cloud nicht mehr reicht

Die wichtigste Triebfeder für eine Multi-Cloud Strategie sind die wachsenden Möglichkeiten und gleichzeitig der wachsende Druck, diese Möglichkeiten auch für das eigene Unternehmen zu nutzen. Neben den klassischen Infrastruktur-Diensten gibt es immer mehr spezialisierte Cloud-Angebote wie  Datenbanken und Analysewerkzeuge,  Plattformdienste für Künstliche Intelligenz und IoT-Produkte. Hinzu kommen E-Commerce-Systeme, Cloud Security Services und eine Vielzahl von Anwendungen, die flexibel nach Bedarf als Service gemietet werden können (SaaS).

Nicht jede Cloud passt gleichermaßen gut zu jeder Anforderung und kein Cloud Anbieter kann alles. Deshalb ist es eine zwangsläufige Entwicklung, dass Unternehmen die Angebote von mehreren Anbietern gleichzeitig nutzen. Der eigentliche Mehrwert ergibt sich aus dem vernetzten Zusammenspiel der verschiedenen Dienste und Cloud-Plattformen. Die sichere Integration und Orchestrierung von unterschiedlichen Cloud-Architekturen ist eine anspruchsvolle Aufgabe und ohne solides Cloud Know-how und zusätzliche Hilfsmittel kaum zu bewältigen.

Keine echte Multi-Cloud ohne Cloud Integration Hub?

Die eigentliche Kür der Multi-Cloud geht aber über die Integration und das zentrale Management von zwei oder mehr Cloud-Anbietern hinaus. Richtig interessant wird es erst, wenn die Anwendungen eine gemeinsame Datenbasis nutzen und miteinander agieren können. Zwar lassen sich heute schon diverse Cloud-Dienste über ihre APIs miteinander verbinden und die Daten synchronisieren, in der Praxis ist das aber mit einigem Aufwand und nicht selten auch hohen Kosten verbunden. Je mehr Applikationen auf diese Weise miteinander synchronisiert werden sollen, desto größer wird  der Integrationsaufwand.

Eine wesentlich elegantere Lösung versprechen die sogenannten Cloud Integration Hubs. Eine sternförmige Topologie soll dafür sorgen, dass jede Anwendung nur noch eine Schnittstelle zum Hub benötigt und darüber Daten mit allen anderen verbundenen Diensten synchronisieren kann. Das aufwendige Entwickeln individueller Schnittstellen und ein manueller Datenabgleich werden damit überflüssig. So arbeitet derzeit der Branchenverband Cloud Ecosystem e.V. mit finanzieller Unterstützung durch das Bundeswirtschaftsministerium an dem Projekt „Open Integration Hub“, um einen einheitlichen Standard zur Daten-Synchronisierung zu schaffen.

Ein einheitlicher und rechtssicherer Standard könnte auch dazu beitragen, die Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen der Unternehmen zu erfüllen – eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz und damit auch den Erfolg von Multi-Cloud Architekturen.

Mehr Informationen zum Open Integration Hub gibt es hier.