Gartners Visionen

Gartner wirft einen Blick in die Zukunft…

… und sieht das Zeitalter der digitalen industriellen Wirtschaft anbrechen.

Die IT-Marktanalysefirma Gartner veranstaltet derzeit wieder auf mehreren Kontinenten das Gartner Symposium/ITxpo, an dem über 20.000 IT-Verantwortliche aus aller Welt teilnehmen werden. Ein traditionelles Element der Gartner Symposien ist der Blick in die Analysten-Glaskugel, um die Unternehmen schon mal auf das einstimmen zu können, was ihnen die Zukunft bringen wird.

Peter Sondergaard, Gartner Senior Vice President
Peter Sondergaard, Gartner Senior Vice President

In diesem Jahr prognostiziert Peter Sondergaard, Gartners Forschungschef und Senior Vice President, eine neue Ära tiefgreifender Veränderungen, die Ära der „Digital Industrial Economy“. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Digitalisierung auch die industriellen Wirtschaftsbereiche durchdringen und verändern wird. Die Basis dafür bilden zum einen der sogenannte „Nexus of Forces“, also die Verknüpfung der treibenden Kräfte Cloud Computing, Social Collaboration, Mobile und Information („big data“) und zum anderen das Internet der Dinge, das die physische mit der virtuellen Welt verbindet. Über die Digitalisierung beeinflussen diese Trends sämtliche Unternehmensbereiche: die Services, mit denen Geld verdient wird, die Art und Weise wie mit Konsumenten und Auftraggebern kommuniziert und schließlich auch wie Industrieanlagen gemanagt werden.

2009 gab es weltweit an die 2,5 Milliarden Geräte, die mit einer eigenen IP-Adresse mit dem Internet verbunden waren, hauptsächlich mobile Telefone und PCs. Im Jahre 2020 werden es laut Gartner 30 Milliarden sein und die meisten von ihnen Produkte und hier insbesondere Sensoren, aber auch traditionelle Geräte wie Kühlschränke. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für zahlreiche Wirtschaftszweige wie Transport und Verkehr, den Handel oder das Gesundheitswesen. In der Vision von Peter Sondergaard werden in Zukunft zum Beispiel Autos selbstständig einparken und bei einem Defekt automatisch die Werkstatt benachrichtigen, wo mit einem 3D-Drucker das Ersatzteil produziert wird. (Hoffen wir mal, dass diese selbstparkenden Autos dann auch einen intelligenteren Antrieb als das Verbrennen von fossilen Brennstoffen haben). Natürlich eröffnet die Digitalisierung der Wirtschaft auch ganz neue Marktpotenziale. Für Produkte und Services im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge erwartet Gartner bis 2020 jährliche Erlöse von mindestens $ 309 Milliarden.

Und da wir schon mal bei den Zahlen sind: Zum Gartner Symposium gehört traditionell auch eine Prognose über die IT-Ausgaben der Unternehmen. Diese werden 2014 wahrscheinlich um 3,6 Prozent höher sein als 2013 und 3,8 Billionen US Dollar betragen.

Und welche Ratschläge hat Gartner für die Unternehmen selbst? Damit sie mit der Digitalisierung mithalten und diese gewinnbringend für ihre Geschäftsprozesse nutzen können, brauchen Firmen eine Digitalisierungsstrategie, eventuell sogar die neue Position eines Chief Digital Officers.  Klingt zu übertrieben? Nun, im ersten Schritt werden digitale Technologien wie internetfähige Sensoren vor allem bestehende Prozesse verbessern. Aber schon bald wird die Digitalisierung die treibende Kraft für Produktentwicklung und Innovationen sein, mit denen sich Firmen von ihren Mitbewerbern unterscheiden und ihren Kunden einen Mehrwert bieten können. Richtig spannend ist schließlich die dritte Stufe, die Peter Sondergaard mit der Formulierung beschreibt: „Jeder ist ein Technologieunternehmen“. Privatpersonen vermieten heute schon über das Internet freie Zimmer oder stundenweise ihr Auto. Das heißt, die Kunden werden selbst zu Mitbewerbern und beeinflussen die Marktanteile etablierter Anbieter.

Sowohl die Menschen als auch all die Dinge, die mit dem Internet verbunden sind, generieren ständig Unmengen von Daten. Unternehmen müssen aufpassen, dass sie von der Datenwelle nicht überrollt werden, sondern sie intelligent nutzen, um sich neue Marktpotenziale zu erschließen. Außerdem geht Gartner davon aus, dass traditionelle Lieferanten durch neue ersetzt werden, weil die bisherigen Produkte nicht mehr zu den neuen Geschäftsmodellen und den  Strategien für eine digitale Zukunft passen.  Die wichtigste operationale Herausforderung wird laut Gartner auch noch im Jahr 2020 sehr wahrscheinlich eine alte Bekannte sein: die Sicherheit. Die Digitalisierung wird die IT-Infrastrukturen grundlegend verändern und neue Schwachstellen und Risiken erzeugen. Herr Sondergaard empfiehlt den Unternehmen deshalb agilere Sicherheitsprozesse sowie ein passendes Portfolio an Sicherheitsanbietern, da einer allein nicht alle Bereiche abdecken kann.