Der nächste Trend: Multi-Cloud

Während man in einschlägigen Portalen in Deutschland wieder die Grundsatzfrage diskutiert, ob Cloud Services prinzipiell für Unternehmensdaten geeignet sind, angesichts des (nicht wirklich überraschenden) Datenhungers diverser Geheimdienste, diskutiert man in den USA bereits einen neuen Trend: die Multi-Cloud.

Multi-Cloud

Multi-Cloud

Bei der Frage, was genau eine Multi-Cloud ist, gibt es – wie bei den meisten Cloud-Schlagwörtern – einen gewissen Interpretationsspielraum. Für die einen ist die Multicloud synonym mit der Intercloud oder auch „Cloud of Clouds“, einer Verbindung zwischen geografisch verteilten Clouds, die sich aus Anwendersicht wie eine einzige, globale Cloud verhalten. Da in der Praxis keine Cloud über unendliche Ressourcen verfügt und auch keine permanente Verfügbarkeit garantieren kann, löst erst so eine Hyper-Wolke das Versprechen ein, das Cloud Computing heute schon gibt, nämlich flexible und  grenzenlos skalierbare Ressourcen, die immer und überall verfügbar sind. Auf der GigaOM Structure 2013 in San Francisco wurde im Juni die Multi-Cloud vor allem aus der Unternehmensperspektive diskutiert. Und zwar werden in einer Multi-Cloud Ressourcen aus unterschiedlichen Private und Public Cloud Quellen für eine einheitliche IT-Strategie  miteinander kombiniert. Einige gehen noch einen Schritt weiter und definieren die Multi-Cloud als Multi-Vendor Cloud, um sie noch stärker von der Hybrid Cloud abzugrenzen. Unternehmen mit einer Hybrid Cloud kombinieren eine Private Cloud (entweder on-premise oder gehostet) mit Ressourcen aus einer Public Cloud. Damit das mit dem Kombinieren auch halbwegs funktioniert, nutzen beide Quellen in der Regel die gleiche Cloud Plattform. Unternehmen mit einer VMware Infrastruktur werden zum Beispiel für ihre Hybrid Cloud eine Public Cloud wählen, die ebenfalls auf VMware basiert. Dagegen sollen in einer Multi-Cloud nicht nur Ressourcen aus mehr als zwei Clouds miteinander kombiniert werden, sondern auch von unterschiedlichen Cloud Stacks, also beispielsweise VMware  mit OpenStack und AWS.

Einige werden an dieser Stelle einwenden, dass viele Unternehmen bereits mehrere Cloud Services von unterschiedlichen Providern in ihre IT-Strategie integriert haben. Sie nutzen hier einen Cloud Storage Anbieter, dort einen Mail Security Service und ein CRM aus der Cloud und eine Public Cloud für ihre Website. Das ist aber im Moment noch eher eine Multi-Service Strategie. Multi-Cloud bezieht sich auf das komplexe Zusammenspiel von IT-Infrastruktur Ressourcen aus unterschiedlichen privaten und öffentlichen Cloud Plattformen. Eine einzige Cloud Plattform sicher zu beherrschen und diverse Anwendungen stabil in einer Hybrid Cloud Umgebung zum Laufen zu bringen, ist bereits eine ausreichend komplexe Herausforderung. Was bringt diverse Experten zu der Annahme, dass die Hybrid Cloud nur eine Zwischenstation ist und die Entwicklung weitergehen wird hin zur Multi-Cloud?

1. „Best-of-Breed“ statt Vendor Lock-in

EINE Cloud passt nicht für alles. Unternehmen, die unterschiedliche Plattformen und Service Provider getestet haben, wissen, das alles seine Vor- und Nachteile hat. Was perfekt zu der einen Anwendung passt, ist für eine andere nur begrenzt brauchbar. Mit einer Multi-Cloud Strategie können sich Unternehmen aus den unterschiedlichen Angeboten, das herauspicken, was die jeweilige Anforderung am besten erfüllt. Außerdem kann der Angebots-Mix in Abhängigkeit von den jeweiligen Leistungsmerkmalen, den Konditionen oder den bestehenden Risiken jederzeit wieder geändert  werden. Da Angebote von unterschiedlichen Providern mit verschiedenen Cloud Plattformen genauso einfach miteinander kombiniert werden können wie Private und Public Cloud Infrastrukturen, profitieren von der Multi-Cloud nicht zuletzt auch solche Firmen, die sich auf keinen Fall in die Abhängigkeit eines einzelnen Anbieters begeben wollen.

2. Verfügbarkeit und Business Continuity

Auch hochverfügbare Cloud Plattformen können ausfallen. Dafür braucht es nicht gleich eine Havarie im Rechenzentrum. Manchmal reicht schon ein Bug in der Software oder ein Fehler des Administrators. Wenn ein Service Cloud Ressourcen aus unterschiedlichen Quellen nutzt, verringert sich das Risiko für Provider-bedingte Ausfälle und Datenverluste. Web Applikationen die weltweit eine exzellente Performance und Verfügbarkeit benötigen, profitieren von einer globalen Verteilung der multiplen Cloud Plattformen.

3. Es passiert sowieso.

Wie schon weiter oben erwähnt, nutzen viele Unternehmen bereits heute multiple Cloud Services von verschiedenen Providern, sowohl als Private Cloud als auch als Public Cloud Service. Die Anzahl der angebotenen Services – auch auf Infrastruktur und Management Ebene – wächst täglich. Und damit wächst auch der Druck auf die IT-Abteilungen, das alles unter einen Hut und in eine einheitliche IT- Strategie zu bringen und so effizient wie möglich zu managen. Die Entwicklung verläuft also zwangsläufig in Richtung Multi-Cloud.

Bevor das, was in der Theorie so verheißungsvoll klingt, Realität werden kann, sind noch einige technische Herausforderungen zu bewältigen. Die Multi-Cloud setzt eine konsequent Service-orientierte Architektur mit einem viel höheren Abstraktionsniveau voraus, als es heute schon gegeben ist. Hier zeigt sich eine interessante Parallele zu einem anderen Trend – dem Software-Defined Data Center. Workloads von einer Cloud in eine andere zu verschieben und standortübergreifende Sicherheitsrichtlinien zu managen, ist selbst in der Hybrid Cloud mit nur zwei Plattformen desselben Herstellers kein Kinderspiel.  Das Handling von multiplen und heterogenen Cloud Umgebungen wird wesentlich anspruchsvollere Technologien und Management Lösungen erfordern.  Unternehmen wie RightScale oder Cloud Technology Partners haben bereits erste Produkte und Services für das Management von Multi-Clouds vorgestellt. Doch es müssen nicht nur Cloud Architektur und Management Software bereit sein für Multi-Cloud Strategien, sondern auch die Unternehmensanwendungen. Viele Applikationen unterstützen derzeit noch nicht einmal horizontales Skalieren innerhalb einer Cloud, das heißt sie können nicht auf mehreren Maschinen gleichzeitig laufen.

Für Unternehmen wird es letztendlich auch in Zukunft vor allem darum gehen, Lösungen zu finden, die zu ihren Anforderungen passen. Da sich diese Anforderungen sehr schnell ändern können, spielt Flexibilität eine zentrale Rolle. Und für flexible IT-Lösungen müssen sie zum Glück nicht bis auf die Multi-Cloud warten.