Schneller mit HTTP/2

Foto: ohrim/Shutterstock

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Wir haben es getan und auf HTTP/2 umgestellt. Zusammen mit HTTPS bedeutet das für die Besucher von www.dunkel.de, dass die Inhalte schneller geladen und über eine verschlüsselte Verbindung übertragen werden.

Geschwindigkeit ist nicht alles, aber entscheidend

Wer sich noch an das unverwechselbare Einwahlgeräusch eines Modems erinnern kann, der erinnert sich auch noch an die ewig langen Ladezeiten vieler Webseiten aus jener Zeit, die man geduldig mit Kaffee kochen zu überbrücken versuchte. Doch im Zeitalter der Breitbandverbindungen ist Geduld Mangelware. Man sagt, dass 40 Prozent der Benutzer die Seite verlassen, wenn die Inhalte nicht nach 3 Sekunden angezeigt werden. Spätestens nach 10 Sekunden sind dann auch die Letzten weg. Weil Webseiten und vor allem Webanwendungen von heute wesentlich komplexer sind als noch in den 90er Jahren, muss in den wenigen Sekunden ziemlich viel Inhalt vom Server zum Browser. Verantwortlich für die Übertragung ist das gute alte Hypertext Transfer Protocol (HTTP) und das ist inzwischen etwas in die Jahre gekommen.

Die erste Weiterentwicklung nach über 15 Jahren

HTTP wurde 1996 entwickelt und 1999 zum letzten Mal überarbeitet (HTTP/1.1). Seitdem hat es milliardenfach Anfragen an die Webserver dieser Welt geschickt und dafür gesorgt, dass die gewünschten Inhalte auf unseren Bildschirmen angezeigt wurden. Allerdings können unterschiedliche Inhalte nicht gleichzeitig geladen werden, weil HTTP/1.1 die Anfragen nur sequentiell, also eine nach der anderen abarbeiten kann. Und das kostet Zeit. Zu viel Zeit, meinte unter anderem Google und startete die Entwicklung einer Lösung zur Beschleunigung von HTTP, genannt SPDY (gesprochen wie „speedy“). Das neue HTTP/2-Protokoll, das von der HTTPbis-Arbeitsgruppe entwickelt und letztes Jahr von der Internet Engineering Task Force (IETF) als neuer Standard veröffentlicht wurde, beruht in weiten Teilen auf SPDY.

Was macht HTTP/2 besser als HTTP/1.1?

Multiplexing

HTTP/2 optimiert die Kommunikation zwischen Server und Browser und sorgt für einen schnelleren Datentransfer. Anders als bei HTTP/1.1 können jetzt unterschiedliche Inhalte gleichzeitig übertragen werden (Multiplexing), was den Seitaufbau beschleunigt. Davon werden vor allem Verbindungen profitieren, die mit hohen Latenzzeiten zu kämpfen haben. Zusätzlich können Inhaltstypen priorisiert werden, sodass die wichtigsten Inhalte auch zuerst im Browser geladen werden.

Server-push

Eine weitere Neuerung ist das Server-push bzw. Cache-push. Hierbei kann der Server selbst Übertragungen initiieren. Inhalte, die der Client sehr wahrscheinlich ebenfalls anfordern wird, können vom Server eigenständig verschickt, im Cache zwischengespeichert und dann schneller vom Client geladen werden.

Header-Komprimierung

Mit jeder Anfrage des Clients werden auch jede Menge Zusatzinformationen und Metadaten (z.B. Cookies etc.) zum Server übertragen, viele davon redundant, weil sie auf dem Server nicht gespeichert werden. HTTP/2 kann diese Kopfdaten (HTTP-Header) komprimieren, was die Ladezeiten zusätzlich reduziert.

Wer sich den Beschleunigungseffekt auf die Ladezeiten von Webseiten ansehen möchte, dem sei die HTTP/2 Performance Demo von Akamai empfohlen.

Verschlüsselung

Schließlich wird HTTP/2 auch den Einsatz verschlüsselter Verbindungen fördern. HTTPS ist zwar nicht obligatorisch, da aber weit verbreitete Browser wie Chrome, Opera und Firefox HTTP/2 nur über eine verschlüsselte Verbindung unterstützen, zwingen sie die Webseitenbetreiber praktisch zur Verschlüsselung des Datentransfers mittels TLS.

Vorteile für SEO und Entwickler

Noch ist HTTP/2 nicht sehr weit verbreitet, obwohl es bereits von den meisten Browsern unterstützt wird. Bei allen anderen wird automatisch auf den alten Standard umgeschaltet. Neben dem besseren Nutzererlebnis durch kürzere Ladezeiten, lohnt sich eine Beschäftigung mit der neuen Version auch noch aus anderen Gründen.

Die Nachteile von HTTP/1.1 für moderne Webseiten wurden auf Entwicklerseite mit diversen Tricks und Optimierungen abgefedert. Auf viele dieser Anpassungen kann man in Zukunft verzichten. Wahrscheinlich werden sich die Vorteile von HTTP/2 erst dann richtig bemerkbar machen, wenn auch die Webseiten für das neue Protokoll und die neuen Möglichkeiten der Browser optimiert wurden.

Eine Umstellung auf HTTP/2 kann sich auch positiv auf das Ranking bei Google auswirken, da sowohl die Ladezeiten einer Webseite als auch der Einsatz von HTTPS wichtige Rankingfaktoren sind.

Neuer Standard mit altem Webserver

Wer im Moment noch den Aufwand für eine Umrüstung seiner Webserver scheut, kann trotzdem seinen Webseiten-Besuchern die Vorteile des neuen Standards bieten. Moderne Traffic Manager können als Vermittler genutzt werden, um die Inhalte zum Browser verschlüsselt und via HTTP/2 auszuliefern. Diese Möglichkeit bieten wir übrigens auch unseren Kunden in der Dunkel Cloud.

Mehr Hintergrundinformationen zu http/2 finden Sie unter anderem im E-Book „http2 explained“ von Daniel Stenberg.